CST 2020: Grüne Eleganz gewinnt

Als die Preisverleihung der Concrete Student Trophy am 18. November 2020 stattfand, war daran fast alles außergewöhnlich. Von der Art der Veranstaltung bis hin zu den vorgestellten Projekten – diese CST war einzigartig! Auch das Siegerprojekt des 15. interdisziplinären Studentenwettbewerbs passte in diese Reihe.

Erstmals in der Geschichte des traditionsreichen Wettbewerbs wurden die Preise nicht an einem angemessenen Ort in der Hauptstadt verliehen: Selbst im Sommer noch war die Planung darauf hinausgelaufen, die Peisverleihung unter enormen Hygienevorkehrungen im TUtheSky durchzuführen. Doch dann kam der zweite Lockdown, und so mussten sich die Sieger und alle weiteren Gewinner mit einer virtuellen Preisübergabe begnügen.

CST 2020: Die Ausschreibung

Herausforderung angenommen: fünfzehn Einreichungen

Aber das spielte am Ende kaum eine Rolle, denn auch so war es ein würdevolles Event: Über eine Online-Konferenz via Zoom wurden alle prämierten Projekte ausführlich vorgestellt – anhand der Folien der Teilnehmer. Dabei war den Jurymitgliedern die Überraschung deutlich anzumerken: Alle Projekte, die hier zur Diskussion standen, hatten ein erstaunlich hohes Niveau.

Keine leichte Aufgabe also für die hochkarätig besetze Jury. Fünfzehn Projekte waren für den mit insgesamt 12.000 Euro dotierten Studentenwettbewerb fünfzehn Projekte eingereicht worden. Ganze sieben davon schafften es in die Endauswahl – und wurden prämiert.

Traditionell anspruchsvoll

Die Concrete Student Trophy ist bekannt dafür, dass ihre Aufgabenstellungen große Herausforderung an die teilnehmenden Studentinnen und Studenten stellen. Zwei herausragende Beispiele verdeutlichen das: 2016 machte der Lufthafen für die Wachau von sich reden, der dem Wettbewerb viel Aufmerksamkeit der Presse bescherte. Und bei der 13. Concrete Student Trophy, als es um eine Markthalle für regionale Lebensmittel in Graz ging, sorgten die erstaunlichen Entwürfe für reichlich Diskussionen rund um das Thema Regionalität.

Ausgezeichnet: Das Siegerprojekt

Schwere Aufgabe: „sehr fordernd, selbst für gestandene Planerteams“

Beim CST-Jahrgang 2020 waren sich alle Beteiligten einig: So komplex wie heuer war der Wettbewerb noch nie. Die knifflige Aufgabe war es, ein Hochhaus in Betonbauweise mit Begrünung in der Seestadt Aspern zu planen – direkt am See. Genauer: am Baufeld H5. Der Juryvorsitzenden Silja Tillner, selbst renommierte Architektin, die gerade mit städtebaulichen Projekten und Konzepten für den öffentlichen Raum viel Erfahrung hat, war es wichtig, das zu betonen: „Die Aufgabenstellung war extrem schwierig“, sagte sie – und begründete die Komplexität der Vorgabe auch gleich: „Zum einen handelt es sich beim Bauplatz um einen städtebaulich schwierigen Standort,“ so Tillner, „dann gibt es beim Hochhaus immer Herausforderungen mit dem Wind, gerade in der Seestadt.“

Als würde das nicht schon genügen, kam ein weiterer Aspekt hinzu: „Zusätzlich galt es für die Studierenden, die Begrünung dieses Hochhauses zu planen – wahrlich keine einfache Aufgabe“, so die Juryvorsitzende. „Umso mehr haben die guten und unterschiedlichen Antworten und Lösungen begeistert“, so Silja Tillner abschließend.

Betonbau mit stadtklimatischer Verantwortung

Die interdisziplinären Teams entwickelten also Projekte, die „positive Auswirkungen auf den umgebenden Stadtraum“ aufwiesen, wie es verlangt war – besonders in stadtklimatischer Hinsicht. Wichtig war auch, dass die Sockelzone und das unmittelbare Umfeld attraktiv gestaltet wurden, damit sich die Menschen gern im öffentlichen Raum aufhalten.

Dem Gewinnerprojekt wurde attestiert, alle geforderten Aspekte der komplexen Aufgabenstellung „auf eine sehr einfache und plausible Art und Weise gelöst“ zu haben. „Capa Verde“ heißt es – und stammt von Studierenden der TU Graz: Christian Brügel (Architektur), Julia Ober und Thomas Heinrich (Bauingenieurwesen) freuten sich online über das Lob für ihren gelungenen Entwurf. „Das entwickelte Gebäude wirkt in Bezug auf seine gesamte äußere Erscheinungsform bestechend selbstverständlich und ausdrucksstark”, hieß es von der Jury.

Die Gewinner: Christian Brügel, Julia Ober und Thomas Heinrich (v.l.n.r.)

Siegerprojekt „Capa Verde“: ausdrucksstarker, eleganter Wohnturm

In der Tat passt das Projekt perfekt in die prominente Lage am See und wirkt als attraktiver Wohnturm überzeugend. Gelobt wurde auch die innovative Lösung mit Öffnungen in den auskragenden Scheiben, die für größere Bäume gedacht sind. Sowohl die Fassadengliederung als auch die ausgefeilte Begrünung wirken im Sommer einer Überhitzung entgegen.

Der zweite Platz, der mit einem Preisgeld von 2.500 Euro verbunden ist, ging an ein ebenfalls sehenswertes Projekt, das nicht zuletzt mit verblüffendem Charme überzeugte: „Living Tetris” stammt von einem Team der TU Wien – genauer: von Denise Jarabe, Daniel Wistrčil (Architektur) und Dominik Neugebauer (Bauingenieurwesen). Die ausführlichen Überlegungen und die durchdachten Ansätze zum vielfältigen Begrünungskonzept begeisterten die Jury.

Auch die Mitglieder des drittplatzierten Teams durften sich als echte Gewinner fühlen, bei dem ganzen Lob, das sie für ihr städtebaulich äußerst schlüssiges „Ein Familienhaus“ einheimsten. Andreas Ramsmaier, Birk Stauber (Architektur) und Clemens Frey (Bauingenieurwesen) berücksichtigten dabei vor allem den Wunsch nach einem eigenen Garten, der viele Menschen in Österreich verbindet – und erhielt für den Entwurf ein Preisgeld von 2.000 Euro.

Hohe Qualität im Schnitt

Wie hoch die durchschnittliche Qualität bei der „CST 2020“ war, zeigt eine ungewöhnliche Vergabe: Heuer gab es nämlich auch einen vierten Platz – und der ging ebenfalls an ein Team der TU Wien. „Grüne Spirale“ stammt von Petar Stanojevic, Petar Palibrk (Architektur) und Milan Jovic (Bauingenieurwesen).

Dass die Concrete Student Trophy in Forschung, Branche und auch in der Wirtschaft heute einen so hohen Stellenwert genießt, liegt natürlich an der enormen Ausgewogenheit der Projekte – und an der hohen Qualität der interdisziplinär erstellten Arbeiten. Das zeichnete den Wettbewerb, der von einer Interessengemeinschaft vergeben wird, von Anfang aus. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Aufgaben für die CST ebenfalls in interdisziplinärer Zusammenarbeit entstehen. Daran ist neben der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie auch Bauunternehmen und die Stadt Wien beteiligt. Diesmal wäre der Wettbewerb ohne die Wien 3420 aspern Ddevelopment AG und die Doka Österreich GmbH nicht denkbar gewesen.

Und natürlich ist die fachliche Begleitung österreichischer Universitäten und Fachhochschulen von elementarer Bedeutung. Ein Aspekt für die hohe Bedeutung des Wettbewerbs liegt sicher in einer Tatsache, die dem Nachwuchs zusätzlich als Ansporn dient: Viele Gewinner der ersten Wettbewerbe zählen heute zu den führenden Köpfen der Architektur- und Planerszene in den Top-Büros des Landes.

Weil der Prozess im Jahr 2020 – natürlich mit Ausnahme der Modelle – von der Abgabe über die Jurierung bis hin zur Preisverleihung digital organisiert werden musste, haben die Veranstalter einen Film produziert. Der ersetzt zwar keine Veranstaltung mit echten Menschen, gibt aber immerhin einen guten Überblück – und liefert erstaunliche Eindrücke:

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