EuroSkills 2021: Österreichische Betonbauer siegen erneut

Endlich durften sie stattfinden: Die EuroSkills 2021 in Graz waren lange erwartet und mehrmals verschoben worden. Vom 22. bis 26. September 2021 wurden die Europameisterschaften der Berufe in der Landeshauptstadt der Steiermark nun ausgetragen. Zahlreiche der heißbegehrten Medaillen blieben in der Alpenrepublik – sehr zur Freude der heimischen Wirtschaft. Besonders eindrucksvoll war der Sieg, mit dem Daniel Mühlbacher und Georg Engelbrecht im Betonbau das Publikum begeisterten. Denn die Fachkräfte von Leyrer + Graf siegten souverän und brachten so die provisorisch, aber professionell errichtete Zeltstadt im Schwarzl Freizeitzentrum zum Jubeln. Es war der vierte österreichische Betonbauer-Sieg in Folge.

Eigentlich hätten sie ja Euroskills 2020 heißen sollen – denn der Termin war ursprünglich auf den September 2020 angesetzt. Junge Fachkräfte aus ganz Europa sollten sich in der Grazer Stadthalle treffen, um sich in der Kunst ihrer jeweiligen Berufe zu messen. Doch wie so viele Veranstaltungen in den vergangenen anderthalb Jahren fielen auch die EuroSkills der Pandemie zum Opfer. Sie wurden verschoben – zunächst etwas zu euphorisch auf den Jänner, schließlich realistischer auf den September 2021.

Spannung hochhalten – und den Wettbewerb genießen

Also mussten die jungen Fachkräfte – wie die Hochleistungssportlerinnen und -sportler kurz zuvor in Tokio – die Spannung über ein ganzes Jahr hochhalten. Den Betonbauern Daniel Mühlbacher und Georg Engelbrecht gelang das blendend. Zum einen hatten sie in ihrem sowieso spannenden Berufsleben genügend Gelegenheit, ihre Fachkenntnisse zu beweisen, zum anderen waren sie es gewohnt, den Stress von Wettbewerben an sich abperlen zu lassen. Denn Wettkampferfahrung können beide vorweisen.

Die EuroSkills im Blick: Betonbauern Daniel Mühlbacher und Georg Engelbrecht beim Training (Fotorechte: Leyrer + Graf)

Bereits 2014 gewann Daniel Mühlbacher den Wettbewerb der Jungschalungsbauer – und gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Georg Engelbrecht belegte er, ebenfalls 2014, den zweiten Platz im Betonbau bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften. Im weitverzweigten Bauunternehmen Leyrer + Graf arbeiten die beiden in verschiedenen Teams, aber der erfahrene Ausbildner (und Berufsschullehrer) Thomas Prigl erkannte das Talent der zwei damaligen Lehranfänger schnell und förderte sie. Prigl ist es auch, dem die hohe Konzentration über die manchmal frustrierende Coronazeit bis hin zu den Wettkämpfen zu verdanken ist. Denn er verlangte bei jedem Training Höchstleistungen, und es gelang ihm immer wieder, die zwei jungen Männer in Wettkampfstimmung zu versetzen.

Österreichs Betonbauer bei den EuroSkills: Vierter Titel in Folge

Dass die zwei das hohe Ziel der Goldmedaille sehr plastisch vor Augen hatten, lag ebenfalls an Ausbildner Thomas Prigl. Der gilt als Legende in der Szene, wurde schon vor längerer Zeit als „Frontmann der Lehre“ geehrt und trainierte bereits mehrere EuroSkills- und WorldSkills-Sieger. So war er auch 2018 in verantwortlicher Position, als Sebastian Frantes und Markus Haslinger bei den EuroSkills 2018 in Budapest Europameister wurden.

Wieder gelang es Prigl, mit den gewaltigen Fußstapfen nicht den Druck zu erhöhen, sondern die erneute Titelverteidigung als Ansporn darzustellen. Als Fachkräfte sind die beiden inzwischen auch durchaus erfahren, denn Georg Engelbrecht schloss seine Lehre als Schalungsbauer bereits 2014 ab. Ein Jahr später beendete auch Daniel Mühlbacher seine Doppellehre zum Maurer und Schalungsbauer. Auch wenn sie nicht zusammenarbeiten – beide sind im Unternehmen im Hochbau tätig. Genauer: im Bereich Sonder- und Objektbau.

Gut ausgerichtet: Zeltstadt für den Berufsnachwuchs

Da ist das Ding: Die Bekanntmachung des Sieger-Duos

In Graz lief nun zwar bei den Akteuren im Betonbau alles nach Plan, aber nicht bei den Veranstaltern. Die Pandemie zwang die Ausrichter auch dazu, sich einen neuen Ort für die Wettkämpfe zu suchen, weil der Messecongress Graz nicht genügend Raum bot. Zwar war das „mcg graz“ genau deshalb auserkoren worden – weil hier in absoluter Wettkampfatmosphäre eine erstklassige Nähe zwischen Job-Athleten und Publikum geherrscht hätte. Um aber die Auflagen zu erfüllen, die in der Coronazeit gefordert sind, wurde in Rekordzeit eine Alternative aus dem Boden gestampft: Die Zeltstadt am Schwarzl Freizeitzentrum stellte sich als perfekte Wettkampfstätte heraus.

Um die EuroSkills 2021 ins Freizeitzentrum in Premstätten zu verlegen, musste praktisch alles neu koordiniert werden – das belegen allein die rund zehntausend Stunden an Videokonferenzen, die im Vorfeld abgehalten wurden. Auf dem Areal im Süden von Graz wurden zwölf Zelte errichtet, allein vierhundert Helfer sorgten dafür, dass sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Schaulustigen und die Offiziellen wohlfühlen konnten. Und dennoch war das Starterfeld heuer kleiner als gewohnt – um ein Drittel. Aus Sorge um die Virus-Verbreitung verzichteten gleich sämtliche skandinavischen Länder auf die Teilnahme, auch Großbritannien und die Niederlande entsandten keine jungen Fachkräfte.

Geballte Kompetenz am Start: Nachwuchsfachkräfte aus neunzehn Ländern

So kamen statt der üblichen 31 Nationen diesmal gerade neunzehn Länder. Immerhin: 400 junge Fachkräfte rangen in 38 Berufen und zehn Präsentationsberufen um Medaillen. Für die meisten freilich war es das Wichtigste, überhaupt dabei zu sein – denn hier konnten sich alle mit Gleichgesinnten austauschen und auch über ihre Zukunftschancen reden.

Vorfreude: Die beiden Hochleistungs-Fachkräfte mit Ausbildner-Legende Thomas Prigl und Maria Smodics-Neumann, Spartenobfrau des Handwerks in der Wirtschaftskammer (Foto: Anja Gaul/Leyrer + Graf)

Um die Chancen auf eine erfolgreiche Karriere steht es bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch die Bank bestens. Denn in Graz zeigte der Nachwuchs nicht nur, dass er was auf dem Kasten hat. Viel wichtiger ist die Leidenschaft, mit der junge Menschen an ihren Beruf herangehen – und mit der sie ein klares Zeichen setzen.

Denn welche Idee hinter Veranstaltungen wie den EuroSkills und auch hinter den WorldSkills steckt, ist logisch: Nahezu alle Länder in Europa klagen über einen großen Mangel an Fachkräften und werben für spannende, aufregende und abwechslungsreiche Ausbildungsberufe. Dass die Betonbranche und überhaupt das Bauwesen dabei gut punkten können, war in Graz gut zu sehen – nicht zuletzt bei der Schlussfeier, die wie die Eröffnung in der Grazer Stadthalle stattfand. Nicht nur in der Betonbranche, sondern im gesamten Handwerk treffen interessante Ausbildungsberufe mit sicheren Arbeitsplätzen auf engagierte Jungendliche, die ihre berufliche Zukunft mit Zuversicht angehen. Das sollte sich doch herumsprechen. Außerdem ist die Politik mit einer klaren Ausbildungsoffensive in der Bringschuld. Das kam auch zur Sprache: Es gab in der Steiermark Besuche einiger hochrangiger Politikerinnen und Politiker, die von den Verantwortlichen der Wirtschaft den deutlichen Auftrag erhielten, sich stärker um Berufsnachwuchs zu kümmern.

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Sieger in bester Feierlaune – mit Gesangseinlage

Betonbauer Daniel Mühlbacher und Georg Engelbrecht jedenfalls sind nun gefragt – wer den Europameistertitel erklimmt, der kann was in seinem Beruf. Das gilt freilich ebenso für die anderen Gewinner von Medaillen und auch für alle, die einfach nur teilgenommen haben. Elf Goldmedaillen, zwölf mal Silber und dreizehn mal Bronze ergatterte das Team Austria – bei 54 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist das eine unglaubliche Ausbeute. Österreich kann also branchenübergreifend stolz sein auf den Berufsnachwuchs.

Auch wenn im Vorfeld viel geplant und wieder umgeplant werden musste – und auch wenn zahlreiche freiwillige Helfer den Erfolg der Veranstaltung garantierten: Die Euroskills2021 in Graz und Premstätten dürfen als rentable Veranstaltung verbucht werden. Laut Wirtschaftskammer Österreich liegt die Wertschöpfung in der Steiermark bei rund 15 Millionen Euro. Allein 260 Dienstleister und Unternehmen aus der Region setzten bei den Wettbewerben und beim vielseitigen Begleitprogramm viel in Bewegung, und es wurden 21 neue Arbeitsplätze geschaffen. Österreichweit sicherte die Veranstaltung mehr als 180 Jobs ab. Nicht nur wegen des Medaillensegens waren die Tage in und um Graz also ein voller Erfolg.

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