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Kreative Vielfalt mit Fotobeton

09.12.2019

In der Taborstraße 1, am Eingang zum 2. Wiener Gemeindebezirk Wien-Leopoldstadt gelegen, gibt es seit Herbst 2017 ein Lokal im Ambiente einer bunten und modernen Hafenkneipe. Die in dem Hans-Hollein-Betonbau ebenerdig eingebettete Bar und Restauration namens „Spelunke“ besitzt in seinem Inneren eine mittlerweile über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte Kunstinstallation des Graffitikünstlers Akira Sakurai. Als „Leinwand“ der Bildmotive aus dem Seemannsmilieu dienen Betonfertigteile die im Fotobeton-Verfahren hergestellt wurden.

In den Nischen und Wänden im Inneren des Lokals befinden sich mehrere großflächige mit Graffitis reizüberflutend verzierte Wandbilder aus Fotobetonfertigteilplatten. Hauptbild aber ist das rund 40 Quadratmeter große, 10 Meter lange und aus 50 einzelnen Betonfertigteilen bestehende Gruppenbild rund um eine der Figur Popeye ähnlich aussehende Seemannsfigur. Bei Einbruch der Dunkelheit werden den Figuren des Bildes durch Licht und Animationen über einen Deckenprojektor Leben eingehaucht.

Das Fotobeton-Verfahren

Das entsprechend der Größe der Betonplatten auf Einzelbilder aufgeteilte Bildmotiv wird im Siebdruckverfahren mit einem Abbindeverzögerer auf spezielle Folien aufgebracht. Diese Folien werden in die vorbereiteten Schalungen rutschfest eingelegt und mit einer speziellen Betonmischung aus dunklem Basaltkorn und Weißzement verfüllt. Der Oberflächenverzögerer verhindert während des Abbindeprozesses das Aushärten des Zementleims an der Betonoberfläche. Nach dem Ausschalen der Betonplatte erfolgt das Auswaschen mittels Hochdruckreiniger. Dadurch wird der oberflächige Zementleim entfernt und die dunkle Zuschlagskörnung freigelegt. Die Wechselwirkung von ausgewaschenen Flächen und Bereichen mit glatter heller Betonoberfläche bringt das Motiv zum Vorschein. Mit dem Fotobeton-Verfahren ist es möglich Fotos, Firmenmarken oder Schriftzüge auf Betonfertigteile wie zum Beispiel Fassadenelemente, Bodenplatten, Wandplatten oder eben auch Sonderbauteile zu übertragen. Durch eine abschließende Imprägnierung werden die Abbildungen vor Schmutz und Ausblühungen geschützt. Oberflächenverzögerer gibt es in unterschiedlichen Auswaschtiefen von 0,2 mm bis 7,0 mm.

Die Fotobetonfertigteile wurden von der Firma Breitwieser in Tulln gefertigt. Die Folien stammen von dem deutschen Spezialisten für Architekturbeton Fabrino in Memmingen. Viel Wissen und Erfahrung steckt in der für einen optimalen Kontrast notwendigen Betonmischung und den temperaturabhängig richtigen Ausschalzeiten.

Für die Gestaltung der Wände konnten die Betreiber den Graffitikünstler Akira Sakurai gewinnen, der mit Szenen aus einer Hamburger Spelunke und Unterwasserwelten den Namen des Lokals in die leuchtenden Bilder auf die Betonfertigteile transferierte. Diese Bilderpracht wurde mit ausgewählter Einrichtung kombiniert und das Ganze dann vom Lichtgestalter Alexander Magyar ins rechte Licht gerückt.

Kunstinstallation auf Sichtbetonplatten in der „Spelunke“