Beton intelligent eingesetzt: Sichtbeton plus Bauteilaktivierung

Zeitgemäßes Bauen beinhaltet, dass die verwendeten Baustoffe nachhaltig verwendet werden. So geschehen in der Marktgemeinde Perchtoldsdorf bei Mödling. Hier sorgt Beton für ansprechende Ästhetik und gutes Raumklima.

So also schaut ein Haus aus, das ein Architekt für sich selbst baut: Das Bauwerk im niederösterreichischen Perchtoldsdorf nutzt gleich mehrere Vorteile von Beton. Architekt und Hausherr Klaus Moldan kombinierte geschickt die Ästhetik von Sichtbeton mit der Behaglichkeit der thermischen Bauteilaktivierung. So kann komplett auf einen Heizkörper verzichtet werden.

Ein Architekt setzt neue Maßstäbe im privaten Hausbau

Als Architekt und Bauherr in einem ging Klaus Moldan bei seinem Entwurf von einem „gefalteten Grundelement“ aus. Durch dessen Addition und Drehung entwickelte er die Raumstruktur. Dabei war ihm wichtig, dass „das räumliche Prinzip nach außen und nach innen durch Sichtbeton ablesbar ist.“

Um die komplexen konstruktiven Herausforderungen zu bewältigen, suchte Diplomingenieur Moldan einen geeigneten Partner. Diesen fand er in der Betonindustrie. Bereits in der Vorplanung ging man im Betonwerk Rieder direkt auf die Wünsche und Vorstellungen des Architekten ein. So gelangte man schließlich zu einer erstaunlichen Lösung.

Betonindustrie bedient höchste Anforderungen

„Die Herausforderung bestand darin, beidseits schalungsglatte und kerngedämmte Sichtbeton­Elemente zu erreichen“, erklärt Stefan Renner vom Betonwerk Rieder mit Hauptsitz in Maishofen. „Dazu haben wir eine hydraulische Batterieschalung eingesetzt, in der wir Sandwichwandplatten aus selbstverdichtendem Beton hergestellt haben. Diesen haben wir über den Schalungsboden mit einer Pumpe in die Schalung eingebracht. Das Ergebnis sind nahezu porenfreie Oberflächen“, so Renner. Dabei wurde an alles gedacht: „Sämtliche Einbauteile und Medienträger wie Blindstöcke, Elektroverrohrung und Wandflächenheizung wurden bereits werkseitig eingebaut.“ Weiter erklärt der Betonexperte: „Um das Gesamterscheinungsbild zu wahren, wurden auch die Innenwände und Geschoßdecken aus Fertigteilen errichtet.“

Heizen und Kühlen ohne Heizkörper

Alle Wände und Decken bestehen also aus Sichtbeton – und sorgen gleichzeitig für eine wohlige Wohnatmosphäre. Denn in Decken und Wänden der Innenschale verlaufen Rohre, durch die Wasser fließt. Damit verfügt das Haus über eine niedrig temperierte Flächenheizung, die durch solare Wärmegewinnung optimal genutzt wird. Die Speichermasse von Beton nimmt die Wärme auf und wird so aktiviert. Da der massive Baustoff die Wärme gleichmäßig an die Raumluft abgibt, werden die Räume ausgewogen beheizt. Es gibt also keine Temperaturunterschiede oder Luftwirbel im Raum, wie sie von Heizkörpern ausgehen. So entsteht ein Wohnklima, das im Sommer wie im Winter ideal ist.

An warmen Tagen wird kühles Wasser durch die Rohre geleitet – so reduzieren die Betonflächen die Raumtemperatur wie eine Klimaanlage. Der Heizwärmebedarf ist mit 42 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr erstaunlich niedrig, vor allem wenn man bedenkt, dass dasselbe System im Sommer eine Kühlfunktion übernimmt und damit zusätzlich Kosten spart.

Dank Beton entspricht das Wohn- und Arbeitshaus in Perchtoldsdorf auch zukünftigen Anforderungen an Energieverbrauch und Nachhaltigkeit. Der Baustoff trägt aus vielen Gründen zur Nachhaltigkeit bei: Er besteht aus natürlichen Rohstoffen, die in der unmittelbaren Umgebung zu finden sind und auf kurzen Wegen transportiert werden. In den Betonwerken kommen heute ressourcenschonende, energieeffiziente Techniken zum Einsatz. Weiters reduziert der Einsatz von Betonfertigteilen Lärm auf der Baustelle und sorgt für schnelle Baufortschritte.

„Jede Sichtbetonwand ist anders“

Zur Nachhaltigkeit kommt die Ästhetik, wie Architekt Klaus Moldan bei seinem Projekt unter Beweis stellte: Die kubische Anordnung der Wände aus Sichtbeton schafft ein funktionierendes Zusammenspiel von Privatsphäre und Offenheit. Das Gebäude erstreckt sich über ganze sechs Ebenen – von einem erdfeuchten Lagerraum über Arbeitszimmer, Schlafzimmer, Bäder, Bibliothek, Küche und Essbereich bis nach oben zum Wohnzimmer mit Zugang zur Dachterrasse. Die zentrale Wand in der Hausmitte verfügt zusätzlich über einen Abwasser­ und Regenkanal.

„Jede Betonwand im Haus ist anders, mit unterschiedlichen Zeichnungen“, sagt Klaus Moldan, „das macht den Lebensraum sehr lebendig.“ Auch das trägt dazu bei, dass Klaus Moldan die doppelte Herausforderung rundum gelungen ist.

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