„Boden für Alle“: Ausstellung im Az W – gefördert von Beton Österreich

Lange wurde sie erwartet – jetzt ist sie endlich da: Am 9. Dezember 2020 kann die so wichtige Ausstellung „Boden für Alle“ unter strengen Hygieneauflagen eröffnet werden. Das Thema könnte kaum aktueller sein: Ein allzu sorgloser Umgang mit dieser Ressource hat in den vergangenen Jahrzehnten unsere Städte und Dörfer massiv verändert. Angesichts der drohenden Klimakatastrophe und steigender Wohnungspreise stellt sich die Frage, ob der bisherige Weg mit maximalen Kompromissen und minimalen Anpassungen noch tragbar ist. Wo bleibt eine weitreichende und mutige Bodenpolitik?

Unser wichtigstes Gut? Das ist die Gesundheit, wie wir im Jahr 2020 in aller Deutlichkeit erfahren haben. Doch damit unsere Gesundheit eine Zukunft hat, müssen die entscheidenden Weichen gestellt werden – jetzt. Denn wenn wir dem Klimawandel nicht unser ganzes Engagement entgegensetzen, wird die Erde bald nicht mehr bewohnbar sein. Die dabei vielleicht wichtigste Aufgabe: Wir müssen dringend den enormen Flächenverbrauch stoppen!

Oberfläche der Erde ist endlich: Boden ist extrem kostbar

Tag für Tag werden allein in Österreich rund vier Hektar Fläche versiegelt – das entspricht der Größe von sechs Fußballfeldern. Das muss sich ändern, und zwar schnell: Schließlich ist die Oberfläche der Erde endlich!

Dass gerade die österreichische Betonbranche als Vorreiter dieses Anliegens auftritt, mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Ist der Landverbrauch nicht gerade mit diesem Baustoff verbunden? „Tatsächlich ist Beton in den Dimensionen Umwelt- und Klimaschutz aktuell noch massiven Vorurteilen ausgesetzt,“ sagt Gernot Brandweiner, CEO von Betonmarketing Österreich. „Daher geht es darum, diese Vorurteile Schritt für Schritt und Argument um Argument zu entkräften!“

Denn auf den zweiten Blick wird klar, warum Beton Österreich die Ausstellung „Boden für Alle“ im Architekturzentrum Wien fördert. Da nämlich wird die zwingende Logik erkennbar, nach der die Betonbranche hier handelt: Eines der wesentlichen Argumente, die den Baustoff Beton als Wegbereiter für die Klimazukunft auszeichnet, ist der Schutz von Grünflächen vor weiterer Verbauung. Das wesentliche Argument: Nur Beton kann vor Bodenversiegelung schützen und so langfristig die Klimasituation verbessern.

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Beton-Kampagne gegen Flächenverbrauch: „Welcher Baustoff erhält Wiesen und Wälder?“

Bauen mit Beton: platzsparend und flächenschonened

Dass sich mit Beton dem Verbrauch von Boden tatsächlich etwas entgegensetzen lässt, zeigt sich an einer Tatsache, die im Alltag kaum mehr auffällt: Nur mit Beton lässt sich nahezu problemlos in die Höhe bauen – und ebenso in die Tiefe. Gernot Brandweiner bringt es auf den Punkt: „Wir können das Verbauen von Fläche schon allein um Neben- oder Lagerräumlichkeiten reduzieren, indem wir Parkflächen von der Oberfläche verschwinden lassen!“

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„Betonmarketing Österreich fördert diese wichtige Ausstellung, weil wir uns diesem Kommunikationsumfeld stellen möchten und die Herausforderungen für unseren Baustoff proaktiv und authentisch annehmen.“ Gernot Brandweiner

Überbauungen, Unterkellerung, Tiefgaragen, von mehrgeschoßigen Häusern bis zu Wolkenkratzern – die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. „Das schützt Grün- und Freiflächen und stärkt ihre wichtige Rolle beim Klima- und Umweltschutz“, so Gernot Brandweiner weiter. Seine Schlussfolgerung, die er erst neulich in einem Gastkommentar in Österreichs größtem Businessportal Leadersnet kundtat:  „Beton muss sich als Teil der Lösung für unsere Klimazukunft verankern!“

Klare Forderung: mutige Bodenpolitik

Die Macher der Ausstellung beginnen die Einführung mit starken Worten, um auf die Knappheit von Boden aufmerksam zu machen: „Ein sorgloser oder ein kapitalgetriebener Umgang mit dieser Ressource hat in den vergangenen Jahrzehnten Gestalt und Funktion unserer Städte und Dörfer massiv verändert“, heißt es da. Aber es geht nicht nur um die drohende Klimakatastrophe, sondern auch ein anderes wichtiges Thema: Auch steigende Wohnungspreise führen zu der Frage, „ob der bisherige Weg mit maximalen Kompromissen und minimalen Anpassungen noch tragbar ist“. So kommen die Kuratoren zur abschließenden Frage, die eine klare Forderung ausdrückt: „Wo bleibt eine weitreichende und mutige Bodenpolitik?“

Paradebeispiel: Die ENCI-Kalkgrube versorgte die Niederlande mit Kalk zur Zementerzeugung – und ist heute ein Naturreservat mit viel das Raum für Naherholung, seltene Pflanzen und Vögel (© Rademacher/de Vries Architects)

Nicht nur eine zukunftsorientierte Bodenpolitik braucht Beton als Basis. Der Baustoff punktet auch in der Ökobilanz und beim Thema Energieeffizienz, vor allem bei einer gesamtheitlichen Lebenszyklusbetrachtung. Damit Beton seine Vorteile in allen Bereichen ausspielen kann, fordert die österreichische Betonbranche umfassende Raumplanungs-Konzepte. Dazu ist auch eine engere interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Planungsexperten, den Kommunen und der Immobilienwirtschaft nötig.

Mit Beton die Zersiedelung stoppen

Nur so lässt sich das verhindern, wogegen die Ausstellung „Boden für Alle“ im Architekturzentrum Wien antritt – die „fortschreitende Zersiedelung des Landes“ nämlich, die „seit Jahrzehnten diskutiert“ wird. Alle Menschen in Österreich könnten in bestehenden Einfamilienhäusern untergebracht werden – „und trotzdem wird weiter Bauland gewidmet, werden neue Einkaufszentren auf der grünen Wiese und Chaletdörfer in den Alpen errichtet“, so die Ausstellungsmacher.

Die Erkenntnis: „Die fortschreitende Versiegelung trägt zur Klimakrise bei und gefährdet die Ernährungssicherheit.“ Dass zudem Spekulationen den Wohnbau verteuern und dass wir eine schleichende Privatisierung des öffentlichen Raums erleben, kommt erschwerend hinzu. .„Schwache oder nicht angewandte Raumplanungsgesetze, ein teils fehlgeleitetes Steuergesetz- und Förderungswesen sowie eine mutlose Politik schreiben den Status Quo fort, anstatt eine Vision für die Zukunft zu entwickeln.“

Beton für die Demokratisierung des öffentlichen Raums

Das klingt ernüchternd, aber hier kann Beton einen wesentlichen Beitrag leisten – etwa zur Demokratisierung des öffentlichen Raums. Ob Betonpflaster als Leitsysteme dienen, ob der öffentliche Raum durch einfache Betonstrukturen an Wahrnehmbarkeit gewinnt, die Möglichkeiten sind vielfältig.

Zum Bauen in die Höhe und die Tiefe gehört freilich mehr als ein robuster Baustoff, der statische Aufgaben erfüllt. Bau- und Umweltexpertin Claudia Dankl, stellvertretende Geschäftsführerin der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), betont entsprechend: „Beton wirkt temperaturregulierend und spielt daher bei der Kühlung von Gebäuden und Stadtvierteln eine immer wichtigere Rolle.“ Verdichtete Bauweisen mit Beton ermöglichen innovative Begrünungen von Fassaden, Balkonen und Dächern, zudem führen wasserdurchlässiger Beton und versickerungsfähige Pflasterflächen dazu, „das Mikroklima zu verbessern und dem gefürchteten Hitzeinsel-Effekt in der Stadt entgegenzuwirken“, so Claudia Dankl.

claudia dankl

“Beton wirkt temperaturregulierend und spielt daher bei der Kühlung von Gebäuden und Stadtvierteln eine immer wichtigere Rolle – auch deshalb ist der Baustoff ideal, um in die Höhe zu bauen und somit den massiven Bodenverbrauch zu reduzieren.” Claudia Dankl

Was die Verantwortlichen der Betonbranche vom Ausstellungskonzept überzeugte, waren viele Aspekte. Dazu gehörte auch, dass „Boden für Alle“ die politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Hintergründe „anschaulich und konkret, kritisch und manchmal auch unfreiwillig absurd erläutert“, wie es in der Einführung heißt. „Wieso steigt der Preis für Grund und Boden? Was hat das alles mit unseren Lebensträumen zu tun?“

Dazu bringt die atemberaubende Ausstellung mit Fallstudien und Begriffserklärungen Licht ins Dickicht der Zuständigkeiten. Ländervergleiche zeigen Stärken und Schwächen auf, internationale Best-Practice-Beispiele präsentieren bedenkenswerte Alternativen.

Der Katalog zur Ausstellung – herausgegeben u.a. von Museumsdirektorin Angelika Fitz

Somit legt die Ausstellung nicht nur den Finger in die Wunde, sie zeigt auf, wo das Potenzial zur Heilung liegt – und verweist auf bereits bestehende und mögliche Instrumente für eine neue Raumplanung. Denn das ist klar: Nur wenn es gelingt, die Ressource Boden zu schonen, lässt sich auch der Klimawandel abfedern. Nur so lässt sich über eine gute Architektur Wohnraum schaffen. „Wir alle sind aufgefordert, neu zu denken und zu handeln“, folgern die Kuratoren. Und genau so ist es.

Zur Feier der Eröffnung ist der Eintritt frei, dazu gibt es digitale Eröffnungsreden der Direktorin Angelika Fitz, der Kuratorinnen Katharina Ritter und Karoline Mayer, von Staatssekretärin Andrea Mayer sowie Bundesministerin Leonore Gewessler. Geplant ist die Ausstellung bis zum 3. Mai 2021. Wer weiß – nach der coronabedingten Verzögerung bei der Eröffnung und wegen der enormen gesamtgesellschaftlichen Relevanz könnte es ja zu einer Verlängernung kommen. Ohne Zweifel zählt „Boden für Alle“ zu den Ausstellungen, die niemand verpassen sollte. Allein der umfassende, reich bebilderte Katalog „Boden für Alle“ mit zahlreichen hochinteressanten Essays ist ein Ereignis. Der erscheint bei Park Books, einem angesehen Fachverlag für Architektur.

Parallel zur Ausstellung finden zahlreiche Veranstaltungen statt – von der Führung über Events mit Kindern und Jugendlichen bis hin zu Podiumsdiskussionen. Wer da auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sich über die sozialen Medien informieren – über Beton Österreich ebenso wie über das Architekturzentrum selbst.

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