“Bob” ist schlau – und nutzt die Speichermasse von Beton!

Früher war das einfach: Da konnte man die Baukosten zusammenrechnen, schon hatte man ein aussagekräftiges Ergebnis. Und heute? „Was kostet das Gebäude insgesamt? Das ist bei neuen Bauprojekten die zentrale Frage,“ sagt VIKA-Geschäftsführer Bernhard Frohn. Hat sich also gar nichts verändert?

Bernhard Frohn hat eine Antwort, die zeigt, dass sich fast alles verändert hat: „Man muss die Lebenszykluskosten den reinen Baukosten gegenüberstellen,“ sagt er. „Dabei spielen die Investitionskosten eine immer geringere Rolle, ausschlaggebend sind die Realkosten, die unter Einbeziehung von Kosten für Energie, Wasser, Wartung, Instandsetzung usw. entstehen.“ In diesem Satz schwingt mit: Bei den „Realkosten“ gibt es enormes Einsparpotenzial.

Eines der energieeffizientesten Bürogebäude Deutschlands!

Wie dieses Potenzial genutzt wird, demonstrierte die VIKA Ingenieurgesellschaft auf verblüffende Weise. Sie entwickelte das Energie- und Nachhaltigkeitskonzept für eines der energieeffizientesten Bürogebäude Deutschlands – das Balanced Office Building in Aachen, kurz: BOB. Entworfen wurde BOB vom Architekturbüro Hahn Helten, die Tragwerksplanung übernahm die Ingenieurgesellschaft Burkhard Walter. Die drei beteiligten Gesellschaften fungierten gleichzeitig als Investoren, Planer und Nutzer des Gebäudes. Ein ungewöhnliches Projekt – das zeigt schon die kurze Bauzeit: Da der Stahlbeton-Skelettbau mit tragenden Betonfertigteilfassaden zum Großteil vorgefertigt wurde, stand das gesamte Gebäude nach nur neun Monaten.

Effizient: Geothermie und Betonkern-Aktivierung

Bei genauem Hinsehen erstaunt die kurze Bauzeit noch mehr. Denn BOB wurde in konsequenter Anlehnung an die Passivhaus-Bauweise errichtet – und alle Aspekte der Wirtschaftlichkeit kamen zum Tragen. Die hohe Effizienz in Sachen Energie ist vor allem auf die Wärme- und Kälteerzeugung mittels Geothermie zurückzuführen: 28 Erdsonden stehen in Verbindung mit der so genannten Betonkern-Aktivierung. Im Klartext: Die Gebäudemasse wird zur Regulierung der Temperatur genutzt!

Beton sorgt für ein gutes Raumklima

Um die 2.151 Quadratmeter beheizbare Nettogrundfläche gezielt und gesteuert zu klimatisieren, wurde in den tragenden Betonbauteilen ein Leitungssystem verlegt. Die Sonden leiten die Erdwärme aus einer Tiefe von 45 Metern über eine Wärmepumpe in einen Pufferspeicher, der tausend Liter fasst. Dort wird das Heizwasser auf eine Vorlauftemperatur von 26 Grad Celsius aufgeheizt. Das Wasser läuft dann durch die in die Decke einbetonierten Rohre. In diesen Rohren speichert der Beton die Energie aufgrund seiner Masse. Wie ein Kachelofen gibt der Beton diese Energie als Strahlungswärme nach und nach ab – und heizt so die Räume. Die große Oberfläche ermöglicht einen Betrieb, bei dem es kaum Unterschiede zur Raumtemperatur gibt. Konventionelle Heizkörper sucht man bei Balanced Office Building übrigens vergeblich. VIKA-Geschäftsführer Frohn kennt nur positive Resonanz: „Selbst in dem extrem heißen Sommer 2003 empfanden unsere Mitarbeiter das Raumklima als zufriedenstellend“. Was sich letztlich auch positiv auf das Leistungsvermögen und die Kreativität der Beschäftigten auswirkt.

Wesentlich niedrigere Energiekosten!

Auch das ausgeklügelte Lichtkonzept für die neunzig Arbeitsplätze spart aktiv Energie. So leiten etwa Jalousien Tageslicht in die Räume und sorgen mit dafür, dass das Gebäude tatsächlich mit einem einzigen Stromanschluss auskommt. Der Erfolg von BOB lässt sich konkret beziffern: Die Energiekosten liegen mit etwa 2,50 €/m2 deutlich unter den sonst üblichen 10 bis 18 €/m2.

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