Baustoff Beton: Wegbereiter einer nachhaltigen Klimazukunft

Die Zeiten, in denen die Menschen Beton in erster Linie mit negativen Dingen in Verbindung brachten, sind längst vorbei. Heute erleben gerade die Österreicherinnen und Österreicher den universellen Baustoff nahezu durchweg positiv: Beton hat einen regelrechten Imagewandel vollzogen! Und das völlig zu Recht – denn Planer, Architekten und Bauindustrie setzen wie noch nie auf den Baustoff. Dass Beton genau der richtige Baustoff für eine nachhaltige Klimazukunft ist, war im Oktober 2020 bei einer Pressekonferenz das große Thema. Drei Vorstandsmitglieder von Beton Österreich erläuterten, wie wichtig Beton für nachfolgende Generationen ist.

Warum ist der Baustoff Beton heute so beliebt wie noch nie? Die Gründe liegen auf der Hand: Beton hat unzählige Vorteile und gilt als eines der wichtigsten Fundamente für Energiewende und Klimazukunft gleichermaßen. Kein Wunder also, dass die Betonbranche mit namhaften wissenschaftlichen Institutionen zusammenarbeitet. Gerade in Österreich, wo innovative Betontechnologie schon lange zum Standard gehört, werden die Potenziale des Baustoffs in Zukunft noch besser genutzt. Dafür stehen international angesehene Hochschulen wie die TU Wien und die TU Graz.

Beton als Wegbereiter der Klimazukunft: Christoph Ressler, Claudia Dankl und Gernot Brandweiner nach der Pressekonferenz

Im Fokus der Forschung: Beton ist Baustoff der Klimazukunft

Beide Universitäten arbeiten intensiv an Forschungsprojekten. Warum sich die Forschung so stark für den Baustoff interessiert, ist ebenfalls schnell erklärt: Beton besitzt eine enorme gesellschaftliche Relevanz. Ein Grund ist, dass er als regionales Produkt in hohem Maße zur lokalen Wirtschaftskraft beiträgt – was sich allein schon an der Verfügbarkeit der Rohstoffe ablesen lässt. Beton besteht aus den natürlichen Bestandteilen Gesteinskörnung – Sand und Kies –, Wasser und Zement als Bindemittel.

Allein durch die hohe lokale Verfügbarkeit der Rohstoffe für die Betonherstellung hat die Anlieferung in die Fertigteil- und Transportbetonwerke kaum Einfluss auf die CO₂-Bilanz. In urbanen Ballungszentren beträgt die Entfernung vom Betonwerk bis zur Baustelle durchschnittlich nicht mehr als zehn Kilometer. Und selbst in den ländlichen Regionen Österreichs gilt die Faustregel, dass der maximale Weg, den Beton zurücklegen muss, 25 Kilometer beträgt. Im Vergleich zu den Weltreisen, die fossile Rohstoffe oft hinter sich bringen, ist der Transport also tatsächlich zu vernachlässigen.

Umweltgerechtes Bauen – mit einem natürlichen, innovativen Baustoff

Dass sich die Wissenschaft so sehr auf den Baustoff Beton fokussiert, hat freilich mehrere Gründe. Ein weiterer ist, dass der Baustoff einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg in die Klimazukunft leistet – vor allem im Gebäudebereich. Das hat auch die Politik längst registriert: Nicht umsonst wird dieser Sektor im aktuellen Regierungsprogramm, das bis ins Jahr 2024 reicht, als Schlüsselbereich zum Klimaschutz identifiziert. Von offizieller Seite ein klares Bekenntnis zum Baustoff! Bis in die hohe Politik reicht also die Erkenntnis, dass die Betonbranche mit ihrem natürlichen Baustoff aus heimischer Produktion einen wesentlichen Beitrag zum Umstieg auf nachhaltige Heiz- und Kühlsysteme sowie Materialinnovationen leistet – und somit den Weg in eine Ökologisierung der Bauwirtschaft aufzeigt.

Die neue Ehrerweisung von höchsten Stellen aus Politik und Forschung freut die Branche natürlich. Das liegt auch daran, dass führende Branchenvertreter viel dafür getan hat, die Öffentlichkeit über die Flexibilität und Zukunftsfähigkeit des Baustoffs Beton aufzuklären. „Allzu oft wird Beton als Synonym für generelle Bautätigkeit verwendet oder auf den CO₂-Fußabdruck bei der Zementerzeugung reduziert”, sagt Gernot Brandweiner, Geschäftsführer des Verbandes Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB). „Dabei geht häufig die Tatsache unter, dass viele für unsere Gesellschaft unerlässliche Bauten wie der gesamte Hochbau sowie Brücken, Tunnels, Bahnstrecken, Kraftwerke oder Windkraftanlagen ohne Beton nicht realisierbar wären“, fügt er hinzu.

Beton in der Stadt: Urbane Hitzeinseln vermeiden – und Cooling-Effekte nutzen

Gernot Brandweiner

Ein wichtiger Einsatzbereich für Beton, in dem viel geforscht wird, ist die Bewältigung von städtischen Hitzeinseln. „Hier arbeiten wir intensiv mit Forschungseinrichtungen zusammen, um den Baustoff noch zielgerichteter dort einzusetzen, wo er dem Klima und der Umwelt nutzt,“ so Gernot Brandweiner, etwa „zur Kühlung von Gebäuden und Stadtvierteln, als Grundfläche für Fassadenbegrünungen, Betonbeläge mit hellen Oberflächen oder Betonrinnen für wassergeführte Kühlzonen.“

Ein weites Feld also, das bereits etliche Früchte trägt. Ein schönes Beispiel dafür, wie zukunftsweisende Beton-Anwendungen Städte lebenswerter machen, ist der „Cooling Park“ im 6. Wiener Gemeindebezirk, wo zu den bestehenden Bäumen und Pflanzen über 8.600 Stauden und neun schattenspendende Bäume ausgepflanzt wurden – durch großzügige Entsiegelung und den Einsatz von Beton für eine neue, äußerst einladende Infrastruktur. Das Tragwerk der „Schwimmenden Gärten“ am Donaukanal gilt ebenfalls als Paradebeispiel von internationaler Strahlkraft.

Claudia Dankl

„Entscheidend über die Ökobilanz eines Gebäudes ist nicht allein die Wahl des Baustoffes, sondern die Art der Energieversorgung.“ Claudia Dankl

Auch Claudia Dankl, stellvertretende Geschäftsführerin der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), stellt die Bedeutung des Baustoff für die Klimazukunft heraus: „Bei der Bewertung der Klimarelevanz fehlt leider viel zu oft eine gesamtheitliche Sichtweise. Die Ökobilanz stellt sich ganz anders dar, wenn der komplette Lebenszyklus eines Gebäudes von durchschnittlich hundert Jahren betrachtet wird“, erläutert sie – und weist auf eine ganz besondere Innovation hin, mit der die Betonindustrie den Wohnbau revolutioniert hat: die Thermische Bauteilaktivierung.

Klares Plus: Thermische Bauteilaktivierung

Die Thermische Bauteilaktivierung, bei der massive Betonbauteile zu Energiespeichern werden, konnte sich in den letzten Jahren als wahre Zauberformel für klimagerechtes Wohnen etablieren. Dabei werden Rohre in Bauteilen wie Wänden und Decken verlegt, durch die ein Heiz- und Kühlmedium strömt, meist ganz einfach Wasser. So herrschen – wie durch Zauberhand und gänzlich ohne Heizkörper – ganzjährig angenehme Temperaturen im kompletten Haus. Somit haben Häuser nicht nur eine unsichtbare Heizung, sondern sogar eine Klimaanlage, wie sie in Mitteleuropa normalerweise eher unüblich ist. Diese Art der Klimatisierung ist zudem überraschend günstig, weswegen diese gebäudetechnische Innovation mittlerweile nicht nur in Büro-, Schul- und Gewerbebauten eingesetzt wird, sondern auch im mehrgeschoßigen Wohnbau.

Ein Paradebeispiel für den modernen Einsatz der Thermischen Bauteilaktivierung hat zuletzt viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen: In der Wohnhausanlage Mühlgrundgasse im 22. Wiener Gemeindebezirk (MGG22) kam das Verfahren erstmals im sozialen Wohnbau zum Einsatz. Besonders zukunftsweisend dabei: Den für den Betrieb der Wärmepumpe notwendigen Ökostrom bezieht die Anlage aus einem Windpark in der Nähe. Claudia Dankl weiß, dass gerade solche Projekte wichtig sind für das Image des Baustoffs: „Wie das Beispiel der Thermischen Bauteilaktivierung deutlich zeigt, entscheidet nicht allein die Wahl des Baustoffes über die Ökobilanz eines Gebäudes, sondern vielmehr die Art der Energieversorgung.“

Urban Mining“: Städte als Rohstofflager der Zukunft

Auch darin wird weiterhin geforscht: Wie kann Beton noch stärker als bislang Ressourcen entlasten? Das entscheidende Stichwort dabei lautet Recycling. Und da bietet Beton fast schon unglaubliche Vorteile: Aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften kann er nämlich nach Abbruch und schonender Aufbereitung zu hundert Prozent wiederverwendet werden. Das heißt: Der Abbau von Sand, Kies und Schotter wird zukünftig in bedeutendem Maß verringert, dagegen bilden unsere Städte ein gewaltiges Reservoire an wertvollen Materialien. Christoph Ressler, Geschäftsführer des Güteverbands Transportbeton, bringt es auf den Punkt: „Recyclingbeton hat einen wichtigen Anteil an einem ressourcenschonenden Materialkreislauf in der Bauwirtschaft!“

Christoph Ressler

Es ist also klar: Der natürliche Baustoff spielt eine Schlüsselrolle für den Klima- und Umweltschutz – und zwar weltweit. Ob es um städtische Lebensräume geht, um langlebige, sichere Verkehrsadern oder um energieeffiziente Gebäude, in denen die Menschen gern leben und arbeiten: Bei nahezu allen Anwendungen steht heute Beton im Fokus. Das gilt übrigens auch für die Projekte, die zurzeit als besonders zukunftsweisend gelten. Dazu zählen etwa der Bau der neuen U-Bahn-Linie in Wien – oder hochmoderne Windkraftanlagen für die Energiewende, die ohne Beton nicht möglich sind. Gut also, dass der regional hergestellte, wertbeständige, speicherfähige und wiederverwertbare Baustoff heute ein so gutes Image hat!

Um das Image von Beton geht’s auch in der aktuellen Kampagne von Beton Österreich, die ebenfalls die Klimazukunft zum Thema hat und die auf der Pressekonferenz vorgestellt wurde. Zu dieser umfangreichen Kampagne hat der Verein Betonmarketing Österreich sogar eine ganz eigene Website eingerichtet – mit zahlreichen lesenswerten Unterseiten.

Alle Fotos: Beton Österreich/APA-Fotoservice/Hörmandinger, danke an den Fotografen Martin Hörmandinger.

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